Vertrauen

Wir sind schnell, wenn es darum geht, zu bewerten. In Sekunden erfassen wir eine Situation und prüfen diese, fast schon automatisch. Wir treffen unsere Entscheidungen im Leben nach unseren Werten, Vorstellungen und verinnerlichten Mustern. Wir vertrauen auf unser Erfassungs- und Entscheidungsvermögen. Dies mag für uns auch richtig sein.

Was passiert aber, wenn wir unsere Denkweise, Muster und Bewertungen auf andere projizieren? Wir erwarten, dass die Person in einer bestimmten Situation so denkt, fühlt und handelt, wie wir. Falls dies aber fehlschlägt, geben wir uns viel Mühe. Wir erklären, warum das, was wir denken und vorschlagen, genau das Richtige ist. Wir versuchen zu überzeugen.

Manchmal können wir aber im Leben nicht überzeugen. Wir bleiben mit unseren Ideen, Vorstellungen, Meinungen einfach auf der Strecke. Wir haben es wirklich versucht. Wir erleben oft Situationen, wo wir genau wissen, was zu tun ist. Wir meinen es wirklich gut. Wir versuchen zu helfen, mit all dem, was wir wissen und können. Wenn wir die Person nicht erreichen, oder einfach nicht verstanden werden, versuchen wir es weiter. Unermüdlich. Gerade dann, wenn dieser Mensch für uns wirklich wichtig ist.

Wenn wir nach unserer Meinung und Hilfe gefragt werden, bedeutet das noch lange nicht, dass der andere dies auch annehmen und umsetzen kann.

Wir werden im Leben auch mal richtig gefordert. Es gibt Schicksalsschläge und auch harte Zeiten. Diese betreffen uns oft nicht allein, vielleicht auch unsere Familie oder geliebte Menschen. Wir versuchen, mit dem Erlebten zurechtzukommen, rappeln uns wieder auf und machen weiter. Herausforderungen, wie diese, machen manche von uns stark. Wir lernen im Leben weiterzugehen und zu vertrauen. Uns selbst zu vetrauen, dass wir es schaffen.

Was passiert aber, wenn nur Sie alleine aus dieser Situation rauskommen? Der Andere zerbricht an dieser Zeit oder diesem Schicksalsschlag und kann nicht weiter.  Die Realität klafft auseinander. Sie haben es geschafft, Sie alleine. Sie wünschen es so sehr, dass der Mensch, den Sie lieben, es auch schafft. Sie beide. Aber wie? Sie versuchen zu helfen, wollen das weitergeben, was Ihnen geholfen hat. Sie motivieren, machen, erklären, überzeugen, übernehmen auch die Verantwortung, geben Impulse, Ideen. Ihr Wunsch an diese Person ist so groß: Stehe auf, gehe weiter, lass das Erlebte los!

Irgendwann, vielleicht nach vielen Jahren, erkennen Sie, die Person geht nicht weiter. Sie merken, dass Sie nicht wirklich viel bewirkt und erreicht haben. Sie können diesem Menschen nicht helfen. Sie erkennen, jeder geht im Leben seinen Weg, lassen los und lieben die Person einfach weiter. Denn was anderes können Sie nicht. Nur lieben. Und das ist gut so.

Vertraue, dass jeder seinen Weg geht. Lasse los.

Vertrauen

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